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218227

Schlussbemerkungen und Ausblick

Oliver Dimbath

pp. 275-280

Abstract

Der Titel der vorliegenden Arbeit verspricht die Untersuchung von Berufswahlentscheidungen in der individualisierten Gesellschaft. Im Grunde liegt ihr allerdings eine etwas umfassendere Fragestellung zugrunde: Das Verhältnis von Entscheidung und Individualisierung. Der Gegenstand "Berufswahl" ist lediglich ein "Vehikel" zur Untersuchung der Lebenslaufentscheidungen von Individuen, denen im Argumentationsgang der Individualisierungsthese eine Veränderung, wenn nicht sogar eine Erweiterung ihrer Gestaltungsmöglichkeiten zugeschrieben wird. Die dieser Untersuchung zugrunde liegende ambivalente Interpretation der Individualisierungsthese kann in den weiteren Theorierahmen einer reflexiven Modernisierung gestellt werden. Eine Ausweitung des Blickwinkels auf diesen vergleichsweise jungen Ansatz erscheint vor dem Hintergrund gerechtfertigt, als dass von den Forschungsprojekten, die sich der Arbeit an dieser "Theorie" verschrieben haben, eine Weiterentwicklung des Individualisierungsgedankens zu erwarten ist. In der Einleitung des Buches "Die Modernisierung der Moderne" konkretisieren Ulrich Beck, Wolfgang Bonß und Christoph Lau (2001) in methodischer und theoretischer Hinsicht, welche Maßgaben die Arbeit mit der reflexiven Modernisierung setzt. Neben der Formulierung allgemeiner Kriterien dessen, was die modernisierte Moderne ausmacht — Vervielfältigung der Grenzen, Zwang zu kontextuellen Grenzziehungen und Pluralisierung der Rationalitäten, Erwartung des Unerwarteten, begrenzte Souveränität und berechenbare Subjektivität, Pluralisierung der Subjektgrenzen, Individualisierungstäter und Individualisierungsopfer, Quasi-Subjekte - werden klare Anforderungen an die theoretische und methodische Arbeit gestellt: Auf fünf Untersuchungsebenen habe sich das Forschungsprogramm, welches sich an den allgemeinen Testkriterien ausrichte, zu beziehen: 1) Die Sekundärauswertung bereits vorhandener Untersuchungen, 2) die Formulierung einer expliziten Perspektiven- und Methodenkritik gegenüber den unter Artefaktverdacht stehenden gängigen Methoden und Kategorisierungen, 3) ein qualitatives, theorieorientiert-typisierendes Vorgehen, 4) die Analyse der Folgen und Kontexte der "neuen Muster" und schließlich 5) die quantitative Überprüfung der gesamtgesellschaftlichen Verteilung reflexiver Strukturmuster.

Publication details

Published in:

Dimbath Oliver (2003) Entscheidungen in der individualisierten Gesellschaft: Eine empirische Untersuchung zur Berufswahl in der fortgeschrittenen Moderne. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Pages: 275-280

DOI: 10.1007/978-3-322-80471-6_8

Full citation:

Dimbath Oliver (2003) Schlussbemerkungen und Ausblick, In: Entscheidungen in der individualisierten Gesellschaft, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 275–280.