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Die Legitimation sozialer Ordnung im griechischen Denken
pp. 157-173
Abstract
Wie bei vielen Völkern standen auch bei den Griechen der Frühzeit die fundamentalen Regeln des gesellschaftlichen Lebens unter dem Schutz derjenigen Gottheiten, die für das Gemeinwesen und sein Territorium zuständig waren. Die gesellschaftliche Ordnung wurde also von denselben Mächten sanktioniert, von deren Gaben wie Gesundheit oder Fruchtbarkeit, über die Menschen nicht verfügen konnten, das Überleben und Gedeihen der Gruppe abhing.1 Gerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen, also Konformität mit diesen Regeln, erschien somit als gesellschaftlicher Aspekt einer göttlichnatürlichen Ordnung. Seuchen und Naturkatastrophen auf der einen, Wohlergehen und Gesundheit auf der anderen Seite konnte man dann als Strafe oder Lohn der Gottheit für das Verhalten der Menschen verstehen—so etwa der Dichter Hesiod in der Zeit um 700 v.C.2 Die für die ungestörte Beziehung zur Gottheit verantwortlichen Führer betrachtete man folgerichtig gern als Abkömmlinge oder Beauftragte der Götter, womit u.a. ihre Berufung zur Jurisdiktion begründet war. Weil in der Familie die Übereinstimmung natürlicher und gesellschaftlicher Zusammengehörigkeit besonders sinnfällig wird, waren frühe Staatsbildungen oft echte oder dann auch fiktive Gentilverbände.3
Publication details
Published in:
Dux Günter, Welz Frank (2001) Moral und Recht im Diskurs der Moderne: Zur Legitimation gesellschaftlicher Ordnung. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Pages: 157-173
DOI: 10.1007/978-3-663-10841-2_7
Full citation:
Dihle Albrecht (2001) „Die Legitimation sozialer Ordnung im griechischen Denken“, In: G. Dux & F. Welz (Hrsg.), Moral und Recht im Diskurs der Moderne, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 157–173.