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216062

Zugehörigkeiten

Jörg ZirfasBenjamin Jörissen

pp. 123-156

Abstract

Wenn es in jüngster Zeit eine Denkrichtung gab, die den fundamentalen Zusammenhang von Identität und Gemeinschaftlichkeit behauptet hat, so war dies der Kommunitarismus.1 Die Debatte um den Kommunitarismus hat u.a. deutlich gemacht, dass die Frage nach den sozialen und moralischen Motiven und Bindungen, die als hinreichend und notwendig angenommen werden müssen, um die freiheitsverbürgenden, liberalen Institutionen überhaupt am Leben erhalten zu können, nicht letztlich gelöst scheint; motivational betrachtet scheint sicher zu sein, dass die Bürger eines Gemeinwesens die bzw. ihre Institutionen als ein kollektives Gut zu schätzen wissen müssen, so dass sie das Maß einer bloß individuellen Orientierung auf das gemeinsame Gut hin zu einer kollektiven Identität überschreiten können. So lässt sich auf den ersten Blick der Kommunitarismus als Theorie zusammenfassen, die das richtige gemeinschaftliche Leben im falschen gesellschaftlichen wiederentdeckt zu haben glaubt. Das richtige Leben ist für ihn das Leben in und für die Gemeinschaft, mit einer Vielzahl an gemeinsam geteilten Ge- und Verboten, einem System moralischer Werte und gemeinsamer Lebenserfahrungen. Diese sollen zugleich Grund und Ausdruck von "Herzens-gewohnheiten" (Bellah) der einzelnen sein und zum anderen die für die soziale Praxis und die sozialen Probleme notwendigen Handlungsmaximen und Tugenden formulieren, nämlich Gemeinsinn, Solidarität, Mitmenschlichkeit und Verantwortungsbereitschaft, mit einem Wort: Wir-Gefühle, die zu einem unmittelbaren gemeinsamen Denken und Handeln und zu einer tief empfundenen kollektiven Identität führen.2

Publication details

Published in:

Zirfas Jörg, Jörissen Benjamin (2007) Phänomenologien der Identität: Human-, sozial- und kultur-wissenschaftliche Analysen. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Pages: 123-156

DOI: 10.1007/978-3-531-90676-8_4

Full citation:

Zirfas Jörg, Jörissen Benjamin (2007) Zugehörigkeiten, In: Phänomenologien der Identität, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 123–156.